Mein wahres Leben: Der 14. internationale Transgender Day of Remembrance

Dienstag, 20. November 2012

Der 14. internationale Transgender Day of Remembrance


Heute ist der 14. internationale Transgender Day of Remembrance.

Ihr wisst nicht, was das für ein Gedenktag ist? Dann verfolgt den Link.


Wenn man hier in Deutschland lebt, wird einem als transidenten Menschen vieles nicht leicht gemacht, aber Angst um sein Leben muss keiner haben. Aber es gibt Länder, da sieht das aber anders aus, da müssen Transsexuelle Angst um ihr Leben haben. Vom 15. November 2011 bis zum 14. November 2012 wurden insgesamt 265 Fälle berichteter Morde an Transmenschen bekannt. Das ist alle 33 Stunden ein Mord an einem Menschen, nur weil er nicht in dem Körper zur Welt gekommen ist, der seinen Gefühlen entspricht. Und in dieser Statistik sind nur die Fälle, die bekannt geworden sind. Also dürften das noch weit mehr Morde sein.

Selbst in Europa, in der Türkei, sind in diesem Zeitraum 5 Morde dokumentiert.

Gedenken wir also heute diesen ermordeten Menschen und freuen uns, hier in Mitteleuropa zu leben. 
Und wenn das nächste Mal die Eine oder Andere von uns mal von anderen Menschen „schief angesehen“ wird, denkt daran, dass Blicke nicht töten können und es Länder gibt, da sind es nicht nur Blicke.

Übrigens, in der Volksstimme habe ich auch vergeblich nach einer Erwähnung dieses Tages gesucht. Aber da vorher eine Mail zu senden, wäre ja wahrscheinlich auch sinnlos gewesen.

Eure Andrea


Hier noch einige Ergänzungen:

Corinna hat noch auf eine Rede aufmerksam gemacht und im Forum der dgti geschrieben:
Hallo beisammen,

eine gute und wichtige Sache an die Andrea da erinnert. Und doch sind es erst mal "nur" Zahlen, und selbst in Deutschland gibt es mehr Verkehrstote, also was geht es uns an?

Bei den Zahlen und den Listen der Toten wird, auch in der Berichterstattung, oft übersehen dass hinter jeder Zahl ein menschliches Schicksal steht. Ein toter Transgender ist nicht nur eine Zahl, sondern war Sohn, Tochter, vielleicht Schwester oder Bruder und vielleicht sogar Vater oder Mutter. Diese Einzelschicksale gehen in den Tabellen unter.

Das eine ist eine Rede die am 18.November in Phoenix, Arizona gehalten wurde in der die Schicksale hinter der Totenliste beleuchtet werden. Nicht einige, nur manche. Leider auf Englisch, ich hoffe ihr kommt damit klar. Ich schaff es jetzt auf die Schnelle nicht sie zu übersetzen.

LG Corinna

Sandra-Isabell hat im Forum „Die andere Seite“ geschrieben:

Warnung!
Aber bitte schaut Euch die Liste nur an, wenn Ihr meint, Eure Nerven sind stark genug! 
Hier die Dokumente für den TDoR 2012 inklusive einer Karte. Die Namensliste gibt es auch in deutscher Sprache.
http://www.transrespect-transphobia.org ... uments.htm

Und Angelika hat im selben Forum auf folgendes Video hingewiesen: 

Kommentare:

  1. Der gesellschaftliche Zynismus ist bemerkenswert. Einerseits finde ich überall, z. B. auf Facebook, Spruchbilder mit "Sei du selbst! Verstelle dich nicht! Sei, wie du bist!", und andererseits wird man als Transmensch gerne mal umgebracht, wenn man diesem Ratschlag folgt. Vielen ist diese Dimension unserer Realität gar nicht bewusst, wenn sie diese tollen Sprüche verbreiten. Vielleicht sind sie selbst ja auch so erwachsen, dass sie das nicht tun -- aber es gibt genug Menschen auf dieser Welt, für die ein solcher Ratschlag schlichtweg tödlich ist. Stellvertretend für alle aktuellen Morde möchte ich den von (Demetrio) Apaza Mayta vom 19. März hervorheben, die einfach so -- nur weil sie Damenkleidung trug -- von einem Mob aus 400 Menschen auf grausigste Weise umgebracht wurde. Einfach so. Am hellichten Tag. Ohne jedwede Provokation. Ich erachte das als beispielhaft für die Gefahr, in der viele Transmenschen in Risikoländern tagtäglich schweben. Und ebenfalls erachte ich es als beispielhaft für die "instinkthafte" Reaktion, die viele auf Transmenschen haben... Es ist zum Verzweifeln. http://witnesshr.blogspot.de/2012/04/bolivian-transgender-woman-attacked.html

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    1. Hallo Sandra-Isabell,

      vielen Dank für Deinen ergänzenden Kommentar.

      Leider ist das alles nun mal Realität. Auch hier in Deutschland sind wir für tätliche Angriffe nicht sicher. Heute würde ich z. B. auch hier in Halberstadt im Dunkeln alleine nicht mehr vor die Tür gehen. Aber das würde ich auch als Bio-Frau nicht machen.

      Aber was kann man dagegen machen? Zum Beispiel was wir gerade hier machen – aufmerksam auf solch unmenschliches Verhalten, um das Unrechtsbewusstsein zu stärken.

      Die Frage, ob jemand zu seiner Transidentität steht oder nicht, sollte sich jeder selbst beantworten. Natürlich kann das ein Risiko sein. Aber ich bin der Meinung, nur wenn ich auch dazu stehe und der Welt da draußen zeige, das ich auch nur ein ganz normaler Mensch bin, mit nur eben einen „kleinen Geburtsfehler“, kann ich damit einen ganz kleinen Beitrag leisten, dass die Menschen uns verstehen. Natürlich gibt es immer „Unbelehrbare“. Aber vielleicht werden die über die Zeit immer weniger.

      LG Andrea

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