Mein wahres Leben: Altes Foto einer schönen Frau

Sonntag, 17. März 2013

Altes Foto einer schönen Frau

Beim Aufräumen bin ich auf ein ca. 70 Jahre altes Portraitfoto gestoßen. 
Es war in einem schäbigen leicht beschädigten Rahmen. Deshalb habe ich es vorsichtig aus den Rahmen ausgelöst. Das Papier war grau und bruchempfindlich, das Foto durch lange im Licht hängen ausgebleicht und es waren mehrere Flecken und Fehlstellen vorhanden. 
Ich habe mich dann entschlossen, das Foto einzuscannen und zu bearbeiten. Das Ergebnis seht Ihr hier:


Die darauf abgebildete Frau wurde im Mai 1921 geboren und verstarb im Februar 2009 im Alter von 87 Jahren. Es ist meine Mutter. 

Sie hat nie erfahren, dass ich transident bin. Vielleicht hat sie ab und an mal einen Verdacht in dieser Richtung gehabt, den sie aber sicherlich dann auch schnell wieder verworfen hat, denn „so etwas“ kann ja nicht sein. 
Mein Vater hat kurz vor seinem Tod zu mir gesagt, meine Mutter würde sich „im Grab umdrehen“, wenn sie von meiner Transsexualität erfahren hätte, aber das glaube ich nicht.
Sie war eine gutmütige, großzügige und tolerante Frau. Sie hat immer versucht, es allen Recht zu machen. Ich weiß, dass sie mich sehr geliebt hat. Ich weiß auch, dass sie sich ein Mädchen gewünscht hatte. Dann hieße ich jetzt nicht „Andrea“ sondern „Bärbel“. Aber ich hätte auch nicht den Weg der Transition gehen müssen. 
Ihr habe ich es zu „verdanken“, das erste Mal zu spüren, das ich nicht wie ein normaler Junge fühle. Sie hat mir mein erstes weibliche Kleidungsstück genäht, ohne von meiner Transsexualität zu wissen und ihre Kleidungsstücke waren die ersten, die ich mir borgte. 

Ich habe das Bild ausgedruckt, gerahmt und aufgehängt. 

Eure Andrea

Kommentare:

  1. Liebe Andrea,

    diesen Beitrag ist zu entnehmen, welch gefühlvoller Mensch Du bist und wie sehr Du Deine Mutter geliebt hast. Mutterliebe, als Kind erlebt man sie vielleicht als Normalität, - im Erwachsenenalter aber wird einem dann erst richtig bewußt, was Mutterliebe ist und bedeutet. Das erlebe auch ich wenn ich am Grab meiner Mutter stehe und ein Zwiegespräch mit ihr führe. Ich glaube nicht dass uns unsere Mütter wegen unserer Gefühle verstoßen hätten.

    Cosima

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    1. Hallo Cosima,

      ja, da hast Du Recht. Als Kind nimmt man Mutterliebe als was Selbstverständliches hin. Jetzt, wo man die Mutter nicht mehr hat, begreift man erst so richtig, was sie einen bedeutet. Da tun mir die Menschen leid, die nie so richtig erfahren haben, was Mutterliebe bedeutet.

      LG Andrea

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