Mein wahres Leben: Die OP bei Dr. Pottek

Montag, 29. Oktober 2012

Die OP bei Dr. Pottek


Wie angekündigt, hat mich heute früh die nette Nachtschwester um 5:45 Uhr geweckt. Wecken ist eigentlich zuviel gesagt, denn ich war schon wach. Mein Schlaf war die letzte Nacht nicht gerade der Beste. Das anschließende „mich fertig machen“ ging dann auch ziemlich schnell, da ich mich ja gegenüber sonst nicht „schön“ machen musste (ob ich das wirklich schaffe, sei dahin gestellt, ich versuche es aber). Im Krankenhausnachthemd und dazu mit den guten Thrombosestrümpfen sieht man ohnehin nicht sexy aus. Ausgiebig geduscht und eine gründliche Haarentfernung an den entsprechenden Stellen vorgenommen hatte ich ja bereits gestern Abend um 22:00 Uhr.

Pünktlich um 7:00 Uhr wurde ich dann abgeholt und es ging in der Waagerechten in den OP. Mehrere „vermummte Personen“ machten dann sich über mich her. Das Setzen der Spinalanästhesie hat auch nicht mehr geschmerzt, als eine normale Spritze.
Dann ging alles sehr schnell. Die Beine haben angefangen zu kribbeln, so als würden sie einschlafen wollen. Innerhalb von ein paar Minuten war dann unterhalb des Bauchnabels kein Gefühl mehr da und auch so sehr ich mich anstrengen konnte, etwas bewegen ging nicht mehr.
Über ein Metallgestell, welches quer über meinem Bauch befestigt wurde, kam dann noch ein weißes Tuch, was mir die Sicht versperrte.
Ich versank dann in Gedanken, starte das Tuch an und dachte mir, hoffentlich wird das nicht langweilig und kommt Dir ewig vor. Im Hintergrund hörte ich Stimmen. Die Worte verstand ich auch, aber ich hörte nicht hin, was sie sagten. Meine Gedanken beschäftigten mich. Dann muss ich eingeschlafen sein, auch ohne eine Vollnarkose zu bekommen. Der schlechte Schlaf der letzten Nacht, die plötzliche Eintönigkeit, das zur Ruhe kommen und nicht zuletzt die LmaA-Tablette mögen dazu beigetragen haben.

Als ich dann wieder aufwachte, war das weiße Tuch noch vor mir. Ich spürte, dass hinter dem Tuch noch was gemacht wurde, aber nicht was da genau stattfand, denn die Gefühle waren da unten ja ausgeschaltet. Es waren die Bewegungen die ich spürte, die sich, wenn auch gering, aber spürbar, zum Oberkörper fortpflanzten. Es war schon ein eigenartiges Empfinden.

Aber ich kam dann nicht mehr dazu, mir noch mehr Gedanken zu machen. Plötzlich sagte eine nette Stimme, dass es geschafft ist und blitzschnell wurde das Tuch weggerissen, ich entkabelt und in den Aufwachraum geschoben.
Aufwachraum war für mich eigentlich das falsche Wort, denn ich war schon putzmunter.

Dort angekommen kümmerten sich gleich mehrere Krankenschwestern um mich und fragten wie es mir geht oder ob ich Wünsche hätte. Das Angebot mit einem speziellen Gebläse mir Warmluft unter die Zudecke zu pusten, nahm ich gerne an, da mir kalt war. Es war Punkt 9:00 Uhr. Die Uhr hing genau an der Wand mir gegenüber. Zu diesem Zeitpunkt war ich der einzigste Patient hier. Aber dann wurde es schnell voll. Erstaunlicherweise waren fast alle bei Bewusstsein. Eine Vollnarkose wird scheinbar nur noch bei unbedingter Notwendigkeit gemacht oder heute waren nur kleinere Operationen an der Reihe.

So um ca. 10:00 Uhr habe ich dann angefangen, bei Berührung meines Beines wieder ganz leicht was zu spüren. Es war so mehr ein erahnen, da ich ja genau an dieser Stelle jetzt erwartet habe, etwas zu fühlen. Hätte jemand anderes das getan, hätte ich wahrscheinlich nichts gespürt. Die ganze Zeit, wie ich da so lag, kam es mir vor, als wären meine Beine nach oben hin angewinkelt. Aber ich konnte ja sehen, dass sie flach da lagen.
Ca. um 10:30 Uhr gingen die ersten kleinen, kaum zu sehenden, Bewegungen wieder: die Zehen etwas bewegen. Um 11:00 Uhr konnte ich dann schon ganz leicht die Knie nach links und rechts bewegen und wurde dann wieder auf mein Zimmer verlegt.

Dort angekommen habe ich erst mal ein paar Seiten in dem Buch „In Männerkleidern“ von Angela Steidele gelesen. Aber dann war ich doch müde und bin dann so um 12:30 Uhr eingeschlafen. Zu dem Zeitpunkt war es mir schon wieder möglich, die Beine anzuwinkeln. Das Anfassen der unteren Körperregion habe ich zwar schon deutlich gespürt, aber das Gewebe hat sich noch taub angefühlt.

Nach dem Aufwachen um ca. 14:30 Uhr war dann nichts mehr von der Spinalanästhesie zu spüren. Aufstehen wäre wahrscheinlich nicht gegangen, aber das durfte ich ohnehin nicht.
Nachdem ich dann meine Frau angerufen hatte, habe ich mich erst mal dem Internet gewidmet.

Die Schmerzen sind im Augenblick auch ohne Schmerzmittel auszuhalten. Es ist in etwa so, als wenn ich mich langgelegt und mir das Knie aufgeschlagen hätte, nur eben an anderer Stelle.

Ich melde mich morgen wieder!

Eure Andrea

Kommentare:

  1. Hallo Andrea,

    schade nun werden wir nicht erfahren über was sich die Ärzte während einer OP unterhalten. Ich stelle mir das so ähnlich vor wie bei M*A*S*H - evtl. kennst du die Serie.

    Bleibt zu hoffen dass das nun die letzte Operation war!

    LG und gute (sowie schnelle) Besserung
    Corinna ;)

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    1. Danke Corinna,

      ja, ich war auch gespannt auf die Gespräche während der OP, aber die Müdigkeit war stärker. Trotzdem hoffe ich, dass es kein nächstes Mal gibt, um das zu erfahren.

      LG Andrea

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  2. Hallo Andrea,

    schön zu lesen, dass es Dir soweit gut geht. Weiterhin alles Gute!

    wünscht

    Cosima

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    1. Danke Cosima,

      ich werde weiter über den Verlauf berichten. Nur wenn ich mich nicht mehr melde, müsst Ihr stutzig werden. Falls mein UMTS ausfällt gibt es hier noch die Möglichkeit, einen kostenpflichtigen Hot-Spot zu nutzen.

      LG Andrea

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  3. Hallo Andrea,

    ich war übers Wochenende in Wiesbaden und komme erst jetzt dazu, mich bei dir zu melden. Hört sich ja alles sehr gut an was du schreibst, und ich hoffe, das die Tatsache, das du dich heute hier noch nicht gemeldet hast, uns nicht beunruhigen muss sondern einen anderen Hintergrund hat.

    Ich wünsche dir, das du während deines weiteren Aufenthalt in der Klinik noch einige anregende und spannende Gespräche mit den anderen Transgenderfrauen führen kannst und natürlich, das du so bald wie möglich wieder `gesund´ nach Halberstadt zurückkehren kannst!

    Alles Liebe von
    Michaela

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    1. Hallo Michaela,

      mach Dir keine Sorgen, mir geht es gut, aber auch hier kommt man nicht immer gleich zu dem, was man sich vorgenommen hat.
      Ja, genug Gespräche gibt es hier. Trotzdem freue ich mich wieder auf Zuhause.
      Danke für Deine Wünsche.

      LG Andrea

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