Mein wahres Leben: Alter Eröffnungsthread für das PEF

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Alter Eröffnungsthread für das PEF

Morgen arbeite ich nur bis Mittag. Am Nachmittag fahren wir, meine Frau, Mace (unser Beardie) und ich, dann nach Faßberg. Inzwischen muss Sarah das Haus hüten.
Unsere Tochter ist aber zurzeit nicht in Faßberg. Sie ist vom 11. – 14. Oktober 2012 mit einer Freundin und deren Pferd zur Appaloosa Europameisterschaft, Mooslargue – Frankreich (Livestream) mitgefahren. 

Übermorgen bin ich dann bei Dr. Pottek. Ich freue mich schon darauf. Einerseits, weil ich dann (hoffentlich) weiß, was genau da unten bei mir los ist und noch gemacht werden muss und andererseits weil ich neugierig bin, Dr. Pottek kennen zu lernen.

Beim Aufräumen des Laptops habe ich noch eine Worddatei entdeckt, in der ich am 04.07.2011 einen Text zur Eröffnung eines Threads für das PEF (TV-Forum) geschrieben habe. Zu dem Zeitpunkt habe ich ca. ein viertel Jahr als Frau gelebt und 1,5 Monate Hormone genommen. An die Antworten kann ich mich nicht mehr erinnern. Da ich dort „gegangen worden bin“, kann ich auch nicht mehr nachsehen, falls es den Thread noch gibt. Ich will Euch den Text nicht vorenthalten:

Wann erkennt man, dass man eine TS ist?

Hallo,

ich möchte hier sozusagen einen Parallel-Thread zu „Wann wird aus einer TG* eine TS“ eröffnen.
Das hat zwei Gründe. Erstens möchte ich im allgemeinen Teil weitere Auseinandersetzungen vermeiden und zweitens bin ich der Meinung, dass der Titel falsch formuliert ist. Aus einer TG (wenn man dieses nicht als Oberbegriff verwendet) wird nie ein TS. TS ist man von Geburt an, man erkennt es nur nicht gleich. Einer erkennt es früh, ein anderer spät oder nie.

Das ist meine persönliche Erfahrung. Vielleicht haben andere dazu eine andere Sichtweise.

Als ich mit ca. 5/6 Jahren das erste Mal gemerkt habe, dass ich anders war andere Jungens und auch in den folgenden Jahrzehnten, als ich immer wieder versucht habe, heimlich „Frau“ zu sein, war mir nicht klar ob das nur temporär ist. Es war einfach ein schönes Gefühl, Frau zu sein, auch wenn es bei weitem nicht perfekt und nur Stückwerk war. Die Unterschiede zwischen TV und TS waren auch nicht bekannt und nicht bewusst.
In dieser Phase des Versteckens „Frau sein“ kommt man aber in seinem Prozess der Selbsterkenntnis nicht weiter, weil man es nicht weiter ausleben kann. Man möchte es eigentlich der ganzen Welt zeigen, aber die Angst ist größer. Die Angst, als Außenseiter alleine da zu stehen, die Angst alles zu verlieren, die Angst, verspottet zu werden. Ich glaube, viele kommen über diese Stufe nicht hinweg.

Mit dem ersten Outing ändert sich das. Man hat endlich jemanden gefunden, dem man sich mitteilen kann. Schritt für Schritt kann man weitergehen, wenn auch unter schwierigen Bedingungen, da dieser erste „Eingeweihte“ ja meist der Ehepartner ist und davon nun wirklich nicht begeistert ist.
Aber mit der Zeit, wenn man Glück hat, wird es einfacher und der Kreis der „Wissenden“ wird größer und man geht immer weiter.

Bis hier hin gibt es keinen nennenswerten Unterschied zwischen TV und TS.
Ein TV merkt irgendwann, das ist es, was ich will. Er ist zufrieden wenn er ab und zu Frau sein darf und freut sich dann, auch danach wieder Mann zu sein.
Ein TS dagegen geniest das „Frau sein“ zwar auch, aber er merkt auch, obwohl er immer weiter geht, dass das nicht alles sein kann. Das anschließende „Mann sein“ ist dann einfach schrecklich.
Mit der Zeit wird die Angst immer kleiner obwohl dafür eigentlich kein Grund vorliegt. Man wird einfach selbstsicherer. Gleichzeitig wird das Verlangen, ganz Frau zu sein, immer größer. Man will den Mann ganz los sein. Auch merkt man, dass man als Frau ein anderer Mensch ist. Es geht einem einfach besser.
Wenn man dann über die Vergangenheit nachdenkt, wird einem bewusst, dass das eigentlich schon immer so war. Man wollte es nur nicht wahrhaben und hat es verdrängt.
In dieser Phase ist einem dann alles egal. Es gibt nur noch eins: Ganz Frau sein!

Wenn ich mir z. B. heute meinen Vorstellungs-Thread ansehe, gibt es mehrere Stellen, wo ich sehr viel aufs Spiel setze. Das war mir damals gar nicht so bewusst.
habe ich meiner Frau, höflichst umschrieben, abverlangt, sich zu entscheiden. Das ist gut gegangen, hätte auch anders kommen können.

Ein weiteres Zeichen, dass man TS ist, ist dass man bereit ist Risiken einzugehen, die z. B. die Gesundheit gefährden können. Obwohl ich wusste, dass die Einnahme von pflanzlichen Hormonen auch gefährlich sein kann, habe ich dieses Risiko auf mich genommen und schon ca. 3 Jahre vor meinem Outing diese in Überdosis genommen. Da habe ich noch nicht gewusst, dass ich TS bin, aber ich wollte unbedingt einen weiblichen Körper haben.

Ein TV würde niemals Hormone nehmen. Dann wäre seine „Männlichkeit“ dahin.
Bei mir hat es ca. 3 Wochen gedauert, dann war die Potenz weg. Und das Schöne daran ist, es hat mich nicht gestört.

Jetzt lebe ich 3 Monate als Frau und bereue nicht eine Minute. Wenn das kein eindeutiges Zeichen ist!

Im Übrigen hat meine Therapie mir meine Gefühle bestätigt.

Eure Andrea

*Anm.: hier verwendet im Sinne von TV, DWT

Eure Andrea

Kommentare:

  1. Hallo Andrea,

    "a blast from the past" - ich hatte kürzlich meinen alten Vorstellungsbeitrag bei dgti mal wieder angesehen, was sich so alles in 15 Monaten tun kann, schon bemerkenswert.

    So manche haben übrigens als CD angefangen und sich dann doch auf dem Operationstisch wiedergefunden...

    LG Corinna ;)

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  2. Sich da so langsam rantasten,ohne Zwang ist sowieso der richtige Weg. Man macht nur das,was man unbedingt braucht und die Unversehrtheit des Körpers ist sehr wichtig.Und übrigens,die meisten von uns waren lange Zeit ganz zufrieden als Mann und hatten da auch ihren Spaß,wenngleich auch manchmal mit einem gewissen Unbehagen,aber das geht wohl ganz normalen Männern auch so,die sind auch immer auf der Suche.100% Zufriedenheit gibet wohl nicht,oder nur auf dem Papier.

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  3. @Anonym

    Wenn die meisten als "Mann" doch zufrieden waren warum jetzt von Mann zur Frau?
    Aus meiner Betrachtungsweise sehe ich das ganz anders. Quälte ich mich doch die Hälfte meines scheiß Leben als "Mann" nur ab.
    Bei der Randgruppe die du ansprichst bei denen würde ich es nicht verstehen können warum denen jetzt das MzF einfällt.

    Svenja

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    1. Liebe Svenja,
      ich glaube hier gibt es viele Sichtweisen.
      Ich bin Transfrau mit Ehepartnerin und Kindern. Ich habe viele glückliche Momente gehabt, auch in der männlichen Rolle. Erst im Zeitverlauf wurde das Glück als Mann von dem Zwiespalt, den meine weibliche Identität verursacht hat quasi aufgefressen.
      MzF fällt einem nicht ein. Für mich war der Weg der Erkenntnis lang, quälend und von Verlustängsten geprägt. Ich erhalte nun die Chance die glücklichen Momente, die ich durch meine Familie als Mann erfahren habe, in meine Zukunft als Frau mitzunehmen. Das ist ein Geschenk. Bei alledem glaube ich nicht, dass ich innerhalb der T*-Menschen eine Randgruppe repräsentiere.
      Ganz liebe Grüße
      Marleen

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    2. Hallo Marleen,

      eine Transition durchdacht angegangen und geplant durchgeführt ist sicher für alle Beteiligten eine grosse Chance, denn eine Transfrau in der letzten Zeit ihrer "männlichen" Existenz ist auch für die Partnerin eine ziemliche Belastung. Ich glaube ich war schlimmer als unsere drei Töchter in der Pubertät zusammengenommen.

      Allerdings braucht die Sichtweise auf die Transition als Chance einige Zeit der Reifung bei allen Beteiligten, denn zunächst überwiegen Verlustängste.

      Du dürftest da nicht in der Minderheit sein, aber wie so oft im Leben sind auch hier die Unzufriedenen lauter als die Zufriedenen.

      LG Corinna ;)

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  4. @Marleen

    Klar da ist was dran. Ich sehe es jetzt von anderen wie dich etwas anders.

    Ich?
    Ich war als "Mann" immer unzufrieden in der mir zugeteilten Rolle. Kam nie damit klar mein Leben als "Mann" zu meistern. Ich kann`s nicht mehr.
    Zum Teufel mit meine letzten 2,5Jahrzehnte die ich mich abquälen musste. Ich muss aufhören sonst fange ich wieder an zu heulen über das Drecksleben.

    LG von Svenja-Maria

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    1. Hallo Svenja,

      du wirst erst dann glücklich sein wenn du aus voller Überzeugung sagen kannst "das Leben ist wunderschön".

      Wir T*-Menschen geniessen das seltene Privileg, nach sicher hartem Kampf ein zweites Leben geschenkt zu bekommen. Dieses Leben will ich leben und von meinem ersten Leben alles was schön war in Erinnerung behalten.

      LG Corinna ;)

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