Mein wahres Leben: Versteckte Preiserhöhung von Extraenergie

Montag, 17. November 2014

Versteckte Preiserhöhung von Extraenergie

Hier hatte ich schon mal geschrieben, das ich durch Preisvergleich bei Strom und Gas einige 100 Euro im Jahr spare.

Aber leider ist es scheinbar immer notwendig, nach dem ersten Jahr mit Preisbindung den Anbieter erneut zu wechseln, wenn man weiter sparen will. Seit dem 1. Januar 2014 ist mein Gaslieferant ExtraEnergie. Vor kurzem erhielt ich eine E-Mail, die ich zuerst gar nicht für voll genommen habe, weil mich Energiemarktentwicklungen nur so weit interessieren, wie sie sich auf den Preis, den ich bezahle, auswirken.

Aber das Wort „Preisanpassung“ hat mich dann doch neugierig gemacht. Nach endlosen „blabla“ und vielen Links, wo man schon versucht ist nicht mehr weiter zu lesen, kommt dann der Hammer – eine Preiserhöhung um 446,- Euro pro Jahr. Aber lest selbst:

-------- Original-Nachricht --------
Betreff: Energiemarktentwicklungen und Preisanpassungen
Datum: Wed, 29 Oct 2014 23:23:50 +0100 (CET)
Von: noreply@extraenergie.com
An: mich

Vertragsnummer: xxxxxxx

Sehr geehrte Frau Süßenguth,

unsere Marke extraenergie ist ein Teil der ExtraEnergie-Familie, die 2008 gegründet wurde. Mit mehr als einer Million gewonnenen Kunden gehört die ExtraEnergie GmbH zu den am schnellsten wachsenden Energieunternehmen in Deutschland. Wir haben bis heute bereits einen Marktanteil von über 18 % im Neukundensegment unter mehr als 1.100 Energieunternehmen erreicht und gehören somit zu den Top 10 der privaten Energieanbieter auf dem deutschen Energiemarkt. Hierfür möchten wir uns bei Ihnen bedanken! Unseren Erfolg verdanken wir dem Vertrauen, das Sie und andere Kunden in uns gesetzt haben. Wir verfolgen stets das Ziel, den Service und die Konditionen für unsere Kunden zu verbessern. Unser Anspruch ist es, unsere Kunden stets vor marktbedingten Preiserhöhungen zu schützen. Unser Ziel ist es, Sie als Kunden langfristig zufriedenzustellen. Vertrauen Sie uns, wie es bereits mehr als eine Million andere Kunden tun. Mit diesem Schreiben möchten wir Sie über die aktuellen Gasmarktentwicklungen und Preisanpassungen informieren.

Die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende stellt Deutschland vor große Herausforderungen. Der neue Energiemix soll im Wesentlichen auf einer Abkehr von der Kernenergie hin zu erneuerbaren Energien basieren. Deren Ausbau ist jedoch nicht uneeingeschränkt möglich und die Stromerzeugung unterliegt witterungsbedingt starken Schwankungen. Um die geforderten und ambitionierten Klimaschutzziele dennoch zu erreichen, kann das Potenzial eines anderen Energieträgers genutzt werden: Erdgas. Schon heute ist Erdgas aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Tagtäglich benutzen Millionen Menschen in Deutschland den klimaschonendsten der fossilen Energieträger zum Kochen, Heizen und Autofahren. Der Anteil von Erdgas am Primärenergieverbrauch beträgt heute bereits ca. 20 %. Bis 2040 wird er auf rund 34 % anwachsen. Erdgas wird dann der größte Energieträger im deutschen Energiemix sein und wird entscheidend zum Erfolg der Energiewende in Deutschland beitragen. Allerdings werden lediglich 11,3 % des gesamten Erdgasaufkommens im Inland gefördert und besteht folglich zu 88,7 % aus Importen. Die wichtigsten Herkunftsländer des Erdgases sind Russland, Norwegen und die Niederlande. Durch den enormen Anstieg der privaten Nachfrage, ist eine weitere Erhöhung des Imports und entsprechend ein weiterer Preisanstieg unvermeidbar. Nähere Informationen zu diesem Thema können Sie unter den nachfolgenden Web-Links einsehen:

www.verivox.de/nachrichten/oel-und-gaskonzern-sieht-oel-und-gas-als-saeule-der-energiewende-86850.aspx 

www.umweltbundesamt-daten-zur-umwelt.de/umweltdaten/public/theme.do?nodeIdent=2848 

www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/Energie/Erzeugung/Tabellen/Bruttostromerzeugung.html 

www.bafa.de/bafa/de/energie/erdgas/energieinfo/2012/dezember.html 

Die Abkehr von der Kernenergie ist ein ambitioniertes Ziel der Energiewende. Deutschland und auch andere Länder sind auf Alternativen zur Stromerzeugung angewiesen. Der Bau von hocheffizienten und flexiblen Gaskraftwerken (stromgeführte Kraft-Wärme-Kopplung, Gas- und Dampfkraftwerke, Gasturbinen) stellt eine Alternative dar. Der Ausbau der Gaskraftwerke und die Förderung der Gasnetzentwicklung ist mit hohen Investitionen verbunden. Bezahlen will das niemand, so wird erwartet, dass die Kosten langfristig auf Privatpersonen umgelegt werden. Die Ressource Erdgas wird somit immer wertvoller und der Gaspreis steigt weiter. Auch auf diese Entwicklungen haben wir als Energielieferant leider keinen Einfluss. Weitere Informationen erhalten sie hier: 

www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/Stromversorgungssicherheit-und-Kraftwerke/moderne-kraftwerkstechnologien.html 

www.manager-magazin.de/unternehmen/energie/a-823007.html 

Ein weiterer Bereich, der die Gaspreise weiter steigen lässt, ist der Ausbau und die Instandhaltung der Gasleitungen. Anders als beim Ausbau der Stromtrassen, ist der Investitionsbedarf zum Ausbau und zur Instandhaltung der Gasleitungen vergleichsweise konstant. Über die dennoch drastisch steigenden Gebühren für den Gastransport bis zum Endkunden rätseln daher auch Verbraucherschützer. Die Entgelte für die Durchleitung von Gas bis zum Endkunden stiegen zum Ende des Jahres 2012 um bis zu 35 %. „Auf den ersten Blick gibt es keine vernünftige Erklärung dafür”, sagt Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Genauso wie bei Strom müssen sich die Gasnetzbetreiber ihre Preise Jahr für Jahr von der Bonner Behörde genehmigen lassen. Dazu müssen sie unter anderem darlegen, welchen Aufwand sie für den Unterhalt ihres Gasnetzes betreiben. Die Bundesnetzagentur beruft sich hierbei auf Sondereffekte. So hätten viele Kunden in den vergangenen Jahren weniger Netzentgelte zahlen müssen, da Mehrkosten aus der Vergangenheit ihnen sozusagen gutgeschrieben worden waren. Entstehende Sondererlöse der Netzbetreiber sollten an die Kunden zurückerstattet werden, dieser Ansatz wurde von den Netzbetreibern allerdings nicht umgesetzt, also entfalle die Vergünstigung. Aufgrund regionaler Unterschiede bei der festgelegten Höhe der Netzentgelte, dürfte es bundesweit zu einem Anstieg von durchschnittlich 10 % kommen. Leider haben wir auch hier keinerlei Einfluss auf die Höhe der Netzentgelte der Netzbetreiber. Das Interview und die Angaben zur Erhöhung der Netzengelte können Sie im Internet nachlesen: 

news.toptarif.de/gas-netzgebuehren-2013-anstieg-um-bis-zu-35-prozent/ 

www.sueddeutsche.de/geld/preiserhoehungen-gaskunden-muessen-mehr-zahlen-1.1504159 

Als Folge der stark schwankenden Entwicklungen im Energiemarkt und dem dadurch bedingten Aufwärtstrend der Preisentwicklung werden leider Sie als Privatkunde immer weiter belastet. Als Energielieferant bemühen wir uns, unsere Kunden so gut wie möglich vor Preiserhöhungen zu schützen. Allerdings sind uns als Lieferant bei speziellen vorgegebenen Kosten leider oft die Hände gebunden. Derzeit engagieren wir uns in Kooperation mit einigen politischen Parteien stark dafür, eine Reduzierung der Umlagen herbeizuführen.

Wir werden uns aber auch darüber hinaus in Ihrem Interesse dafür engagieren, die regulierten Bestandteile Ihres Energiepreises so niedrig wie möglich zu halten. Einen Teil der gestiegenen Kosten müssen wir allerdings zum 01.01.2015 umlegen. Ihr Paketpreis verändert sich auf 2871 Euro. Alle weiteren Preiskonditionen bleiben wie vertraglich vereinbart unverändert. Sie haben bis zum 30.11.2014 das Recht, Ihren Vertrag auf den Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Anpassung in Textform zu kündigen.

Die bestehenden Allgemeinen Geschäftsbedingungen werden unverändert bleiben. Ihre aktuellen Abschläge basieren auf dem geschätzten Verbrauch und den oben genannten Konditionen und Preisen. Wenn der Verbrauch sich erhöht oder verringert, werden entsprechende Korrekturen spätestens in der jährlichen Rechnung vorgenommen.

Ein weiterer von uns nicht beeinflussbarer Faktor stellt der kalte und lange Winter dar. Allein der Monat März 2013 gehörte den Meteorologen zufolge zu den sechs kältesten Märzmonaten seit Messbeginn im Jahr 1881. Den kältesten Tag des Monats erlebte eine sächsische Gemeinde im Erzgebirge, dort sank das Thermometer am 16. März auf minus 21,3 Grad. Vergleicht man diesen Wert mit den langjährigen Temperaturreihen 1961-1990, so waren die Temperaturen um minus 3,3 Grad und im Vergleich zur Referenzperiode 1981-2010 sogar um minus 4,1 Grad kälter. Die Winterperiode 2012/2013 führte zu einem unerwartet hohen Gasverbrauch bei 16,5 Millionen Besitzern von Gasheizungen, in der Industrie und bei Kraftwerksbetreibern und dadurch drohen Versorgungsengpässe. Die Erdgasspeicher sind aufgrund des hohen Gasverbrauchs stark geleert worden, wodurch allein Ende März die Preise an der Energiebörse EEX von 25 Euro auf fast 40 Euro pro kWh gestiegen sind. Der kalte und lange Winter stellt damit einen weiteren Kostentreiber für die Privathaushalte dar. Lesen Sie hierzu: 

www.welt.de/newsticker/news3/article114869645/Zu-kalt-und-zu-viel-Schnee-Maerz-2013-bricht-Rekorde.html

www.wetterprognose-wettervorhersage.de/wetter/maerz/wetter-maerz-2013.html

www.stern.de/wirtschaft/news/winter-leert-die-speicher-deutschland-geht-das-gas-aus-1993801.html 

www.welt.de/print/wams/wirtschaft/article115068595/Das-Gas-wird-knapp.html 

Lieber Kunde, wir haben Sie über die aktuellen Begebenheiten auf dem Gasmarkt informiert und Ihre monatlichen Belastungen durch unsere getroffenen Maßnahmen stabil gehalten. Wir hoffen somit in Ihrem Sinne gehandelt zu haben und freuen uns, Sie als zufriedenen Kunden auch in Zukunft beliefern zu dürfen.

Mit freundlichem Gruß
extraenergie
eine Marke der ExtraEnergie GmbH

Die rote Markierung für den entscheidenden Teil habe ich angebracht und nicht Extraenergie.

Die Frage ist, ob so eine versteckte Preiserhöhung per Mail überhaupt wirksam ist.

Jedenfalls habe ich gleich gekündigt und soeben einen neuen Gasliefervertrag abgeschlossen. Einsparung: 1133,50 Euro (2881,00 €minus 1747,50 € neuer Vertrag)

Das Erstaunliche, bei ExtraEnergie hätte ich als Neukunde nur 1730,25 Euro bezahlt.

https://www.extraenergie.com/gaspreisrechner#rate-detail-1690888419

So zockt man Altkunden ab.


Eure Andrea

Kommentare:

  1. Vor dem Hintergrund, dass ich letztens gerade gelesen habe, dass über hundert Gasversorger den Preis senken wollen ist dieses Schreiben der glatte Hohn. Hat da jemand die alten Schreiben noch einmal verschickt, oder sind die Textbausteine vertauscht worden? :-/

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  2. Preisanpassung zurückweisen, diese ist unwirksam. Notfalls die Schlichtungsstelle Energie einschalten, dann macht Extra Energie nen Rückzieher. Bei mir hats funktioniert.

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    1. Ist schon erledigt, habe jetzt einen anderen Anbieter. Mal sehen, ob der sich nach auslaufen der Preisbindung auch was einfallen lässt.

      LG Andrea

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  3. Mir geht es momentan genau so, nur habe ich leider die "Energiemarktentwicklung und Preisanpassung" nicht gelesen/bekommen und wurde erst mit der Jahresrechnung auf diese "Abzocke" aufmerksam. Meine Preiserhöhung beläuft sich z.Zt. auf 10 Cent pro Kwh (ca. 650,-€). Mein Sonderkündigungsrecht wurde von ExtraEnergie abgelehnt (zu spät). Habe mich jetzt an die Schlichtungsstelle Energie gewendet. Mittlerweile sollten es genügend Urteile geben, die dieser unlauteren und vesteckten Preiserhöhung wiedersprechen. EXTRAENERGIE erst "Locken" dann "Abzocken" scheint hier ein Unternehmensziel zu sein.
    Und leider spielen hier Unternehmen wie "Verivox" und "Check24" auch noch mit.

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  4. Hallo Anonym,

    auf keinen Fall gefallen lassen. Die wissen genau, dass diese Preiserhöhung rechtswidrig ist. Die gehen auf "Dummenfang". Scheinbar gibt es genug Menschen, die aus Angst die Preiserhöhung einfach zahlen.

    LG Andrea

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  5. Hallo Andrea,

    auch wenn dein Fall ein paar Jahre her ist, möchte ich dennoch einen Kommentar hinterlassen.

    Du hast gefragt, ob die versteckte Preiserhöhung per Mail zulässig ist. Das Landgericht Düsseldorf (AZ: 12 O 177/14) urteilte vor gut einem Jahr, dass die Art der Preiserhöhung nicht transparent war und daher nicht zulässig war. Vor kurzem (20.10.2016) hat das Oberlandesgericht Düsseldorf (AZ: I-20 U 37/16) dieses Urteil bestätigt.

    Dabei haben die Gerichte nur darüber befunden, ob die Preiserhöhung intransparent mitgeteilt wurde. Solche Preiserhöhungen können zusätzlich unzulässig sein, wenn keine Rechtsgrundlage für die Preiserhöhung vorliegt und wenn die Preiserhöhung unbillig war. Unbilligkeit bedeutet, dass der Anbieter seinen Gewinnanteil (ausgenommen ist der Neukundenbonus) nicht erhöhen darf. Die Preise dürfen nur im Rahmen der tatsächlichen Gesamtkostenentwicklung angepasst werden.
    Details zu den rechtlichen Hintergründen und zu zwei Gerichtsurteilen findest du auf der Internetseite http://verbraucherhilfe-stromanbieter.de/versteckte-preiserhoehung/.

    Mein Tipp: Achte bei der Wahl des Stromanbieters darauf, dass er in der Vergangenheit nicht auffällig wurde in Form von zahlreichen Kundenbeschwerden. Welche Stromanbieter besonders häufig auffällig werden, findest du auch auf dieser Seite.

    Viel Erfolg beim Energiesparen!
    LG Matthias

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